Geistliches Wort - Diakonie

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Berichte
Johannes, der Täufer predigte in der Wüste von Judäa und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz Judäa und alle Länder am Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden. (Mt.3,1.5)

Johannes fasziniert: Ohne großen Aufwand, ohne Werbung, Verstärker oder herausragende Neuerungen greift er die Botschaft seiner Vorgänger, der Propheten auf und fordert die Menschen zur Umkehr auf. Und sie kamen. Sie hörten ihm zu. Sie dachten nach über sich, über ihr Leben, über Gott und ihre Beziehung zu ihm und nahmen die Einladung des Johannes an: Sie bekannten ihre Sünden und fingen mit Gott neu an.
Was / wer bringt uns zum Nachdenken über uns selbst? Ich erlebe viel Aufgeregtheit um uns herum: Die Menschen protestieren. Sie setzen sich mit dem, was die Regierenden machen, auseinander. Aber sie landen ganz woanders als die Menschen damals: Nicht bei sich selbst, nicht beim Nachdenken über ihr Leben, sondern auf der Straße, in Zorn und Aufgeregtheit über Andere.
Ist das der Sinn dessen, was wir zurzeit erleben? Sollten wir diese Zeit nicht nutzen, um ins Nachdenken über uns selbst zu finden? Wie ist mein Leben bis hierher gelaufen? Kann ich mit mir zufrieden sein? Was wird Gott über mich denken, wenn er auf meinen bisherigen Lebensweg schaut? Wird er Applaus klatschen? Oder gibt es da ein paar Dinge, über die er gern mit mir ins Gespräch kommen würde? Wo sind die Stimmen, auf die ich achten sollte, Menschen wie Johannes, die mir bei diesem Nachdenken wirklich weiterhelfen? Ist es nicht an der Zeit, da mal noch etwas ganz anderes zu machen, etwas in Ordnung zu bringen, reinen Tisch zu machen?
Taufen war für diese Menschen ein äußerer Ausdruck für diesen inneren Neuanfang. Nun sind wir ja i.d.R. getauft. Eine Nochmalige Taufe erübrigt sich also. Und doch sind uns äußerliche Handlungen eine Hilfe für das, was in uns vor sich geht. Wir feiern Ende Juni Konfirmation. Lieder wurde die Jubelkonfirmation vorerst auf September verschoben. Doch gerade solche Anlässe können zum ´reinen Tisch Machen` hilfreich sein. Vor Jahren kam ein zur Jubelkonfirmation Eingeladener zu mir und erzählte, dass er vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten ist. Inzwischen hat sich da viel verändert. Er ist älter geworden und sieht manches heute ganz anders. Ihm war es jetzt wichtig, wieder dazu zu gehören zu der gemeinde unseres Herrn. Darum wollte er wieder in die Kirche eintreten. – Auch eine Form des ´reinen Tisch Machens`, die mir sehrt nachgegangen ist. Es hat ihn sicher ein ganzes Stück Überwindung gekostet, so offen von sich zu reden. Doch das war ihm wichtig. So begreife ich auch seelsorgerliches Gespräch und Beichte- als einen Platz, an dem ich ehrlich vor Gott und mit einem Seelsorger über mich nachdenken und reden kann. Und dann womöglich nochmal ganz neu ansetzen mit meinem Herrn und Heiland.
Ja, ich bewundere diese Leute, die zu Johannes gekommen sind, die ihm wirklich zugehört haben und sich seine Worte zu Herzen nahmen. Sie haben entdeckt: Das, was er uns da sagt, ist ganz wichtig für uns.

Ihr Pfarrer Michael Poppitz


Diakoniestation der Kirchgemeinden Eibenstock und Umgebung e.V.
2020
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